
Schon vor 2000 Jahren fanden Atemübungen im alten China und Indien bereits Anwendung. Die Atemarbeit galt dort nicht nur als Königsweg zur Heilung, sondern auch als Tor zur Innenwelt, als Weg tiefer Selbsterfahrung. Anfang des 20. Jahrhunderts konnte die Atemlehre auch im Westen Fuß fassen. Sie hat ihren Ursprung aber nicht in Asien, sondern ist hier in Europa entwickelt worden. Sie ist auf die besonderen Bedürfnisse europäischer Menschen zugeschnitten.
Einer der möglichen Wege am Atem zu arbeiten, ist der Weg des Erfahrbaren Atems nach Prof. I. Middendorf ®. Diese Methode gehört nicht zu den diversen Atemtechniken, die den Atem bewusst willentlich beeinflussen, wie sie es z.B. beim Holotropen Atmen nach Grof, in der Bioenergetik oder im Pranayama des klassischen Hatha Yoga geschieht.
Bei der Atemarbeit nach Middendorf wird der Atem frei zugelassen und die natürliche Atembewegung bewusst beobachtet, ohne sie willentlich zu beeinflussen.
Anhand verschiedener Übungsweisen in Verbindung mit innerer Sammlung und Achtsamkeit wird dann an der Beweglichkeit und Durchlässigkeit des Körpers für die Atembewegung gearbeitet, damit der Atem wieder durch den ganzen Körper fließen kann.
Die einzelnen Übungen gehen, je besser es uns gelingt, eine innerliche Verbindung zu unserem Atem herzustellen, immer mehr mit unserem Atem synchron. Bewegung und Atem bilden eine Einheit. Ist genug Atemkraft entstanden, wird Bewegung aus dem Atem heraus möglich.
Das eigentliche, höchste Ziel im Erfahrbaren Atem ist es, gänzlich unverstellt zu unserem heilen Kern zu gelangen, zu unserem ureigensten Rhythmus, der sich auch im Atemrhythmus zeigt.
(Anmerkung: Ilse Middendorf, Jg. 1910, ist führend in der Atemforschung in Europa und unterrichtete die Methode "Erfahrbarer Atem" mehr als 60 Jahre; mehr Informationen hierzu finden Sie unter http://www.erfahrbarer-atem.de)